Katzenliebhaber sind oft der Meinung, daß Züchter sich mit dem Verkauf ihrer Katzenkinder eine goldene Nase verdienen. Andererseits wird von den Züchtern behauptet, die Zucht von Katzen (egal welcher Rasse) wäre ein äußerst kostspieliges Hobby. Da aber "kostspielig" ein relativer und auch dehnbarer Begriff ist, will ich Ihnen in diesem Artikel konkret und realistisch die Zucht von der finanziellen Seite zeigen. Was genau ist an den jeweiligen Aussagen dran?Wir Züchter scheuen uns etwas davor, über Zahlen zu sprechen, weil wir unsere Jungtiere, Zuchtkatzen und Kastraten nicht nach einer Kosten-Nutzen-Analyse (nach dem Motto "Wer nicht genug Gewinn einbringt, fliegt raus!") aufrechnen. Katzenkäufer, die für eine Rassekatze 800 bis 1.500 Euro bezahlen, rechnen diesen Betrag aber oft schnell mal auf eine durchschnittliche Wurfgröße von 4 Kitten hoch. Und glauben dann, der Züchter hätte sich mit dem Verkauf auch nur eines einzigen Wurfes mal flugs den nächsten Trip in die Staaten oder den Tauchurlaub in Neuseeland "erarbeitet".
... für beide Ansichten, eine realistische Kostenaufstellung und mein Fazit zu den Äußerungen:Als Argument gegen den genannten Kaufpreis hören Züchter immer wieder, daß Hauskatzen für 50 Euro angeboten werden, daß damit die Kosten beim Halter gedeckt sind (wie dieser sicher zu Recht angibt) und dem doch bei Rassekatzen ebenso sein müsse, schließlich ist Katze gleich Katze. Dagegen ist folgendes zu halten: Erstens muß ein Hauskatzenhalter nur äußerst selten eine Deckgebühr bezahlen, zweitens werden die Jungtiere (meistens wegen Unkenntnis des Halters) viel zu früh abgegeben und drittens macht es durchaus einen Unterschied, ob ich im Verein seriös und unter Kontrolle züchte oder "nur mal so" einen Wurf mache. Der Weg zum seriösen Züchter (nicht nur zum Vermehrer) ist ein langer und steiniger, auf dem einem oft der Wind (sogar aus Züchterkreisen) entgegenweht und der mit Anschaffungs- (und noch weiteren) Kosten gepflastert ist. Zunächst muß man Mitglied in einem Zuchtverein werden und einen Zwingereintrag vornehmen lassen. Die Aufnahmegebühr beläuft sich auf ca. 20 Euro, der Jahresbeitrag kostet zwischen 50 und 100 Euro und die Zwingerregistrierung einmalig ca. 20 Euro. Weiterhin sind Cannel (Transportkörbe) in verschiedenen Größen für Transporte zur Ausstellung oder zum Tierarzt anzuschaffen. Am besten die größeren mit Rollen darunter, damit man den ohnehin schon nicht leichten und auch noch sperrigen Behälter mit einem ausgewachsenen Tier drin nicht tragen muß! Kleine Cannel (L/B/H 50x35x30 cm) für einen Wurf Jungtiere oder einen Halbwüchsigen kosten etwa 20 Euro. Für den Transport eines ausgewachsene Tieres braucht man einen mittelgroßen Behälter (L/B/H 71x50x50 cm), diesen bekommt man für ca. 50 Euro. Und letztendlich benötigt man noch einen großen Korb (L/B/H 80x60x80 cm) für den Transport von 2 erwachsenen Tieren oder ein Muttertier mit Wurf, diesen gibt es für ungefähr 80 Euro. Die von mir angegebenen Preise sind regulär. Bei Sonderangeboten gibt es die Körbe oft mit über 20 % Rabatt! Aber Vorsicht! Hier sind die billigen nicht unbedingt preiswerter! Achten Sie auf gute und sinnvolle Verarbeitung, z. B. Öffnung von oben und seitlich, wie ist der Tragegriff angebracht, kann er sich bei zappelnden Tieren während des Transportes lösen, so daß Ihnen der Korb runterfällt? Außerdem benötigt man Abdeckungen und Einlagen für die Cannel, je nach Größe von 15 bis 30 Euro zu kriegen.
Als nächstes sind Kratzmöbel notwendig. Gehen wir mal davon aus, daß ein Zucht-Anfänger nicht gleich 5 Zuchttiere auf den Schlag zusammenkaufen will, so benötigt er auch nicht sofort 3 Katzbäume. Je nach Rasse ist es aber durchaus sinnvoll, ein robusteres Modell anzuschaffen, da man sonst das Billigteil gleich nach dem ersten Wurf entsorgen kann! (Mir selbst so passiert!) Bei kleinen, ruhigen oder leichtgewichtigen Rassen ist ein einfaches Modell mit Deckenbefestigung durchaus OK, hierfür sind ca. 100 bis 200 Euro nötig. Bei sehr großen Tieren, schwergewichtigen oder lebhaften Rassen bietet sich hingegen eher ein schweres, standfestes Modell an z. B. von Robusta. Diese Kratzbäume sind allerdings ziemlich teuer, ungefähr 500 bis 900 Euro, je nach Größe.Dann ist folgendes noch von Nöten: Katzentoilette, Futternapf, Wassernapf (einen für je 2 Katzen), Kuschelkörbchen (eins für jede Katze), ein Gumminoppen-Handschuh (oder Massagebürste), eine Metall-Bürste und ein Metall-Kamm. Wie oben schon erwähnt, gehen wir mal davon aus, daß der Anfänger sich erstmal 3 Tiere hält. Somit benötigt er 2 Toiletten à 20 Euro, 4 Näpfe à 5 Euro, 3 Körbchen à 25 Euro und Bürsten-Material für insgesamt ca. 20 Euro.
Als nächstes kann sich der Zucht-Anfänger nun die 3 Tiere kaufen. Hierzu wird er viele Telefonate führen, viele km fahren und diverse Internet-Gebühren zahlen müssen. Ausstellungsbesuche sind nötig, um sich ein Bild von verschiedenen Züchtern und Tieren machen zu können. Er wird sich sicher (wenn möglich) das Tier bzw. dessen Eltern und Geschwister vorher ansehen wollen, also muß er den Züchter besuchen. Viele dieser Besuche werden aber nicht den Kauf eines Tieres als Ergebnis haben, das heißt er macht viele Besuche nur einmal. Den Züchter, bei dem er kauft, wird er mindestens 2 x besuchen. Von Vorteil ist es da, wenn dieser im näheren Umfeld wohnt. Aber da wird man nur allzuoft auf Widerstand treffen, denn leider sehen die meisten Züchter einen Newcomer als "Konkurrenz". Diese will er aber nicht gleich vor der Tür haben, und dann auch noch mit den gleichen Linien. Im Zweifelsfalle wird man also sehr viel weiter fahren müssen als 200 km (einfache Strecke), wenn es nicht gleich das Ausland ist! Gehen wir von dem günstigen Fall aus, daß unser Anfänger einen Züchter im Inland innerhalb von 300 km von seinem Wohnort entfernt findet, dann haben wir folgende Anschaffungs-Zusatzkosten pro Tier (denn sinnvollerweise werden die 3 Tiere ja nicht alle bei demselben Züchter gekauft, wegen der Linien und des Genpools!): Telefonate, Faxe, Internet, Porti ca. 100 Euro, Fahrtkosten ca. 350 Euro und Ausstellungseintritte ca. 50 Euro, insgesamt etwa 500 Euro. So, nun hat unser Zucht-Anfänger zwar noch keine einzige Katze aber schon ein Haufen Ausgaben! Dann kommen durchschnittlich noch 1.200 Euro pro Tier dazu. Nun hat er alles, was man braucht. Alles zusammen macht also einen Einsatz von 5.125 Euro VOR BEGINN der Zucht notwendig!
Später kommen dann noch Kosten für eine gute "Katzenzimmer"-Ausstattung (Fliesen, abwaschbare Möbel) dazu, sowie die Aufzuchtkosten für die 3 Tiere. Denn diese müssen ja erstmal erwachsen werden. Hier sind Futter und Streu nötig, mindestens für 1 Jahr bevor unser Zucht-Anfänger auf Nachwuchs hoffen kann. Außerdem müssen die Tiere einige Ausstellungen besuchen, um die Zuchttauglichkeit prüfen zu lassen, bevor man sie überhaupt verpaaren sollte. Sinnvoll sind Ausstellungen im Alter von 3 - 6 Monaten, dann von 6 - 9 Monaten und dann mindestens 3 x in der offenen Klasse. Wenn 3 Punkte erreicht wurden, darf sich das Tier "Champion" nennen und ist somit als zuchttauglich befunden. Hier kommen Kosten für Fahrten zum Ausstellungsort, Gebühren für die Ausstellung, Verpflegung, evtl. Übernachtung, Ausstattung des Käfigs auf den Züchter zu. Gehen wir davon aus, daß er einmal mehr ausstellen muß, weil er 1 x den Punkt in der offenen Klasse nicht erhält (wegen Konkurrenz), dann haben wir pro Tier 6 Ausstellungen. Gehen wir weiter davon aus, daß er Ausstellungen besuchen kann, die im Umkreis von 200 km von seinem Wohnort liegen und er nicht übernachten muß, dann kommen wir hier insgesamt auf zusätzliche Kosten von ungefähr 730 Euro.Weiterhin die jährlichen Impfungen und die Untersuchungen auf diverse (Erb-) krankheiten wie z. B. HD, PKD, HCM, FIP, FIV und Leukose (Anfahrten zur Klinik, Untersuchungs- , Arzt- und Laborkosten). Zu der obigen Summe kommen also nochmal Kosten in Höhe von 4.690 Euro VOR dem ersten Wurf hinzu!
Somit hat ein Zucht-Anfänger in einem ziemlich realistisch gerechneten Fall Startkosten von 9.815,00 Euro! Diese muß er natürlich nicht sofort und auf einen Schlag zahlen sondern so nach und nach im Laufe des ersten Jahres. Wenn er nun, sagen wir mal, im 18. Monat seiner Zucht 2 gesunde Würfe von jeweils 4 Kitten bekommt, muß er diese Ausgaben auf die Jungtiere verteilen, um auch nur 0 auf 0 aus der Sache herauszukommen. Das sind bereits ca. 1.227,00 Euro! Auf dieses Ergebnis sind Kosten für die Impfungen der Kitten, Futterzusätze für die Mamis, Vitaminpräparate, Stammbaumgebühren, Zeitungsanzeigen und Wurmkuren (ca. 400 Euro) für die Jungtiere aufzuschlagen. Damit liegen wir bei einem Preis für ein Kitten von etwa 1.277,00 Euro.Der Züchter wird nach Verkauf der Jungtiere diese am entsprechenden Tage zu dem neuen Besitzer bringen. Diese Kosten, sowie die zusätzlichen Futterkosten für die Aufzucht der Jungtiere innerhalb der erst 4 Lebensmonate wurden nicht mit einberechnet. Wenn Jungtiere also an Liebhaber für 800 Euro verkauft werden, zahlt der Züchter weit über 400 Euro für nur EIN EINZIGES Tier drauf. Da aber nicht jedes Jahr so viele Kosten auf ihn zukommen wie im ersten Jahr, relativiert sich das im Laufe der Jahre wieder - vorausgesetzt, er kann finanziell so lange durchhalten! Bleibt dann im zweiten Jahr etwas hängen, so ist spätestens im dritten Jahr bestimmt ein neuer Kratzbaum fällig, eine der Katzen mal krank geworden oder der Züchter möchte sich eines der Jungtiere behalten. Dann hat sich bereits damit der "Gewinn" erledigt! Jetzt finden auch Sie unsere Kitten für schlappe 800 Euro nicht mehr wirklich teuer, oder? Überlegen Sie, wieviel sind 800 Euro, verteilt auf 15 Jahre, in denen Sie sich an der Katze erfreuen können?!
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